3D-Druck & Additive Fertigung

Additive Fertigung braucht aktiven Schutz

Jedes Verfahren in der additiven Fertigung erzeugt andere Emissionen – von ultrafeinen Partikeln beim FDM-Druck über hochreaktive Harzdämpfe beim SLA bis zu explosionsfähigem Metallpulver beim LPBF. Standardabsaugung deckt diese Bandbreite nicht ab. Wir schon.

Auf einen Blick

  • Verfahrensspezifische Auslegung: FDM, SLA, SLS, LPBF/SLM
  • ATEX Zone 22 für Metallpulver (Ti, Al, Mg, Stahl)
  • H14 HEPA für ultrafeine Partikel (UFP) unter 0,1 µm
  • Aktivkohle für VOCs, Styroldämpfe, Harzmonomere
  • Modulare Plattform – skalierbar von einer bis 50 Maschinen
  • Dokumentation für DGUV-Prüfungen und Betreibernachweis

Relevante Normen

ATEX 2014/34/EU · IEC/EN 60335-2-69 · EN 14491 · DGUV Information 213-059 · VDI-Richtlinien Additive Fertigung

Jedes Verfahren – andere Emissionen

Die additive Fertigung umfasst grundlegend verschiedene Verfahren. Die Emissionen unterscheiden sich je nach Verfahren und Material erheblich – und damit auch die Anforderungen an die Absaugung.

Verfahren Emissionen Explosionsrisiko aspur-Lösung
FDM / FFF Schmelzschichtung Ultrafeine Partikel (UFP), VOCs (Styrol bei ABS, Monomere), Organocyclsiloxane aus Schmiermitteln Gering H13/H14 + Aktivkohle, prozessnahe Erfassung am Extruder
SLA / DLP / MSLA Harzdruck Photopolymer-Monomere, reizende und sensibilisierende VOCs, Geruchsstoffe, ungehärtete Harzreste als Aerosol Mittel Aktivkohle (VOC-spezifisch) + H14, geschlossene Erfassung am Bauraum
SLS (Kunststoff) Lasersintern Polymer Feiner Kunststoffstaub beim Pulverhandling (PA12, PA11), VOCs beim Sintern, Wärmeabbauprodukte Mittel H13/H14 + Aktivkohle, Absaugung am Pulverhandling und Druckraum
LPBF / SLM / DMLS Metall-Pulverbett­schmelzen Reaktives Metallpulver (Ti, Al, Mg, Stahl, Inconel), Schweißrauch, Metalloxid-Nanopartikel, Schutzgas-Aerosole Hoch – ATEX ATEX Zone 22, H14 HEPA, PTFE-Membran, erdungspflichtig
Binder Jetting Bindemittelauftrag Feines Metallpulver beim Handling, Binder-VOCs, Entbinderungs- und Sinterdämpfe Hoch – ATEX ATEX, H14 für Metallpulver, Aktivkohle für Binder-VOCs
DED / WAAM Gerichtete Energiedeposition Schweißrauch, Metalloxid-Partikel (ähnlich Schweißen), Schutzgas-Rückstände, Metallspritzer Mittel H13/H14, Schweißrauch-Absaugung, DGUV 209-044 konform

* Die Gefährdungsbeurteilung obliegt dem Betreiber. Die Tabelle dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Risikoanalyse.

VERFAHREN IM DETAIL

Was in Ihrer Anlage wirklich entsteht

Die vier häufigsten industriellen Verfahren – und warum die jeweiligen Emissionen spezifische Absauglösungen erfordern.

FDM / FFF

Schmelzschichtung – unterschätzte Emissionen

FDM-Drucker erscheinen harmlos – sind es aber nicht. Beim Schmelzen des Filaments bei 180–270°C entstehen ultrafeine Partikel (UFP) unterhalb von 0,1 µm und flüchtige organische Verbindungen. Die Art und Menge der Emissionen hängt stark vom Material ab.

EMISSIONEN NACH MATERIAL

ABS/ASA/PC:
hohe UFP-Konzentrationen, Styrol (VOC, gesundheitsschädlich), starker Geruch – höchste Priorität für Absaugung

PA/Nylon:
Caprolactam-Dämpfe, UFPs, reizend – Aktivkohle erforderlich

PLA/PETG:
geringere VOC-Emissionen, dennoch UFPs – H13 Mindeststandard

UFP H14

AKTIVKOHLE VOC

DIREKTERFASSUNG

SLA / DLP / MSLA

Harzdruck – chemisch aggressiv

Photopolymere Harze enthalten Monomere und Photoinitiatoren, die reizend und sensibilisierend wirken. Ungehärtetes Harz als Aerosol oder Dampf ist eine direkte Gefahr für Haut und Atemwege. Das gilt auch für die Nachbearbeitung (Isopropanol-Bäder).

KRITISCHE SUBSTANZEN

Acrylat-Monomere:
reizend, sensibilisierend, MAK-limitiert

Photoinitiatoren:
Geringe Mengen, hohe biologische Aktivität

Isopropanol-Dämpfe:
bei der Nachbearbeitung, Flammpunkt 12°C

AKTIVKOHLE

H14 HEPA

NACHBEARBEITUNG

SLS KUNSTSTOFF

Kunststoff-Lasersintern – Pulverhandling kritisch

Beim SLS-Druck mit Polyamid (PA12, PA11) entstehen während des Sinterns VOCs und Wärmeabbauprodukte. Das größte Risiko liegt jedoch im Pulverhandling: Befüllen, Entleeren und Sieben erzeugt hochfeine Kunststoffstäube.

HAUPTGEFÄHRDUNGEN

Pulverhandling:
Feinstaub PM2.5, inhalativ belastend, hohe Expositionsspitzen

Sinterprozess:
VOCs und Caprolactam-Dämpfe beim Aufschmelzen

Abkühlphase:
weiterhin Emissionen beim Öffnen der Baukammer

PULVERABSAUGUNG

H13/H14

AKTIVKOHLE

LPBF / SLM / DMLS

Metall-Pulverbettschmelzen – höchste Anforderungen

Das anspruchsvollste Verfahren. Reaktive Metallpulver wie Titan und Aluminium sind explosionsfähig. Beim Laserstrahl entstehen zusätzlich Metalloxid-Nanopartikel und Schweißrauch. Das Pulverhandling erfordert zwingend ATEX-zertifizierte Absaugung.

KRITISCHE GEFÄHRDUNGEN

Titan (Ti6Al4V):
brennbar, feinteilig, Zündenergie sehr gering – ATEX Zone 22 zwingend

Aluminium:
explosionsfähig, hohe Reaktivität mit Sauerstoff

Metalloxid-Nanopartikel:
entstehen im Laserprozess, tief lungengängig, toxisch

ATEX ZONE 22

H14 HEPA

PTFE-MEMBRAN

ERDUNG

Verfahrensspezifisch ausgelegt

Kein Einheitssystem. Jedes Verfahren, jedes Material, jede Betriebsgröße erhält die passende Kombination aus Filtration, Erfassung und Schutz.

ATEX Zone 22 für Metallpulver

Für LPBF, SLM, DMLS und Binder Jetting mit Metallpulvern: ATEX-zertifizierte Absaugung gemäß Zone 22. Elektrisch leitfähige Komponenten, Potenzialausgleich, Erdung aller metallführenden Teile. Pflicht laut IEC/EN 60335-2-69.

H14 HEPA + PTFE-Membran

Für alle Verfahren mit ultrafeinen Partikeln: H14 nach EN 1822, mindestens 99,995% Abscheidegrad am MPPS (0,1–0,3 µm). PTFE-Membran als Oberflächenfilter verhindert Tiefenfiltration und Staubdurchbruch.

Aktivkohle für VOCs und Harzdämpfe

Verfahrens- und materialspezifische Aktivkohle-Auslegung: Styrol-optimiert für ABS, Acrylat-optimiert für Harzdruck, breitbandig für Mehrmaterialbetrieb. Standzeit wird auf Ihr Schadstoffprofil berechnet.

Prozessnahe Erfassung

Direktabsaugung am Bauraum, an Öffnungen und beim Pulverhandling – nicht nur Raumluftabsaugung. Emissionen werden an der Quelle erfasst, bevor sie sich im Raum verteilen. Schlauch- oder Rohranbindung je nach Maschinentyp.

Modulare Skalierung

Von der einzelnen Maschine bis zum Druckzentrum mit 50 Anlagen – ohne Systemwechsel. Zentrale oder dezentrale Konzepte, je nach Hallenlayout und Maschinenverteilung.

Betreibernachweis

Vollständige Dokumentation für DGUV-Prüfungen: Konformitätserklärung, ATEX-Zertifikat (sofern zutreffend), Betriebsanleitung, Wartungsplan. Rechtssicher und prüfungsbereit.

NORMEN & VORSCHRIFTEN ADDITIVE FERTIGUNG

ATEX 2014/34/EU
Geräte in explosionsgefährdeten Bereichen – gilt für Metallpulver-Absaugung. Zone 22: explosionsfähige Staubatmosphäre tritt im Normalbetrieb nicht oder nur kurzzeitig auf.

IEC/EN 60335-2-69
Sicherheit von Entstaubungsanlagen – definiert Anforderungen an elektrische Sicherheit und Staubklassen (L, M, H) für Industriestaubsauger und Absauganlagen.

EN 14491
Schutzeinrichtungen gegen Staubexplosionen – Grundlage für Auslegung druckstoßfester Absauggehäuse und Explosionsdruckentlastung.

DGUV Information 213-059
Sicherheit bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in Laboratorien – relevant für Forschungs- und Entwicklungsumgebungen mit additiver Fertigung.

VDI-Richtlinien Additive Fertigung
Der VDI-Fachausschuss GPL 105.6 erarbeitet verfahrensspezifische Richtlinien für Arbeitssicherheit in der additiven Fertigung – in Zusammenarbeit mit Fraunhofer IPA.

Was Kunden wissen wollen

Das hängt vom Material und der Nutzungsintensität ab. PLA in gelegentlichem Einsatz in gut belüfteten Räumen ist weniger kritisch. ABS, ASA, PC oder Nylon im industriellen Dauerbetrieb erzeugen jedoch UFP-Konzentrationen und VOCs, die deutlich über den Empfehlungen der Fraunhofer-Institute und berufsgenossenschaftlichen Richtlinien liegen. Im gewerblichen Einsatz ist eine prozessnahe Absaugung dringend empfohlen und bei bestimmten Materialien rechtlich gefordert.

Bei LPBF/SLM-Anlagen mit reaktiven Metallpulvern wie Titan oder Aluminium ist in der Regel Zone 22 zutreffend – explosionsfähige Staubatmosphäre tritt im Normalbetrieb nicht oder nur kurzzeitig auf. Die genaue Zoneneinteilung muss der Betreiber in einer Gefährdungsbeurteilung dokumentieren. Die Absauganlage muss für die ausgewiesene Zone zertifiziert sein. Wir unterstützen Sie bei der Einschätzung.

Ja – mit unserer modularen Plattform können mehrere Maschinen verschiedener Verfahren an ein zentrales oder dezentrales System angebunden werden. Wichtig: Die Auslegung muss auf den jeweils kritischsten Schadstoff ausgelegt sein. Ein System das für LPBF geeignet ist, eignet sich auch für FDM – umgekehrt gilt das nicht. Wir legen das System auf Ihre gesamte Maschinenflotte aus.

Staubklasse M nach EN 60335-2-69 beschreibt eine Abscheideeffizienz von mindestens 99% – das entspricht grob H12/H13-Niveau. H14 nach EN 1822 erreicht mindestens 99,995% am MPPS. Für ultrafeine Partikel aus dem 3D-Druck und für toxische Metallpulver ist H14 die sicherere und empfohlene Wahl. Bei krebserzeugenden Stäuben ist H14 Pflicht.

Das hängt von der Schadstoffart, der -konzentration und dem Volumenstrom ab. Für Standardanwendungen wie ABS-Druck empfehlen wir eine Standzeit von 3–6 Monaten. Für aggressive Harzdämpfe oder hohe Maschinenauslastung kürzer. Wir berechnen die Standzeit für Ihre Anwendung und können optional Durchbruchsensoren integrieren, die den tatsächlichen Beladungszustand anzeigen.

Schildern Sie uns Ihr Verfahren

Verfahren, Material, Maschinenanzahl – wir legen die passende Lösung aus.

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