Chemie & Gefahrstoffe
Schadstoffe erfassen – bevor sie sich verteilen
Lösemitteldämpfe, toxische Stäube, reaktive Substanzen und explosive Gemische entstehen in chemischen Prozessen täglich – oft unsichtbar, oft unterschätzt. Die Grenzwerte der TRGS 900 sind streng. Die Konsequenzen bei Überschreitung auch. Wir liefern Absaugsysteme die schadstoffspezifisch ausgelegt sind – nicht aus dem Katalog.
Auf einen Blick
- Aktivkohle – schadstoffspezifisch ausgelegt, nicht Standard
- ATEX bis Ex Zone 1 für entzündliche Dämpfe und Gase
- H14 HEPA + PTFE-Membran für toxische Feinstpartikel
- Chemikalienbeständige Gehäuse und Dichtungen
- Kombinierte Systeme Partikel + Dämpfe in einem Gerät
- Vollständige Dokumentation für GefStoffV und BG-Prüfung
Relevante Normen
GefStoffV · TRGS 900 · TRGS 720–727 · ATEX 2014/34/EU · DGUV Regel 109-001 · EN 14491
Was entsteht – und wie wir absaugen
Jeder Schadstoff hat andere physikalisch-chemische Eigenschaften und erfordert eine andere Filterstrategie. Eine Einheitslösung gibt es hier nicht.
| Schadstoffklasse | Typische Stoffe | Gefährdung | aspur-Lösung |
|---|---|---|---|
| Lösemitteldämpfe organische VOCs | Toluol, Xylol, Aceton, Ethanol, Isopropanol, MEK, Ethylacetat | Explosionsgefahr MAK-Werte TRGS 900, teils krebserzeugend | Aktivkohle schadstoffspezifisch + ATEX Zone 1, Standzeit berechnet |
| Toxische Feinstäube anorganisch/organisch | Schwermetallverbindungen, Farbpigmente, Wirkstoffpulver, Katalysatoren | Sehr hoch MAK-Werte oft sehr niedrig, teils krebserzeugend | H14 HEPA + PTFE-Membran, Containment, Bag-in/out Filterwechsel |
| Säuredämpfe & alkalische Aerosole | HCl, H₂SO₄, HNO₃, NaOH, NH₃ | Hoch Ätzend, reizend, MAK-limitiert, Materialangriff | Chemikalienbeständige Gehäuse (PP/PE/Edelstahl), Sonderbeschichtungen, H14 |
| Reaktive & explosionsfähige Stäube | Metallpulver, organische Stäube (Zucker, Stärke), Kunstharze | Explosionsgefahr ATEX-Zonenpflicht, St-Klassen beachten | ATEX bis Zone 1, druckstoßfest, EN 14491 konform, Erdung |
| Prozessgase & Geruchsstoffe | H₂S, Mercaptane, Amine, Chlor, Ozon, organische Schwefelverbindungen | Mittel–hoch Geruchsbelästigung, teils toxisch schon in ppm-Bereich | Imprägnierte Aktivkohle (KOH, KMnO₄), gasartspezifisch ausgewählt |
| Aerosole aus Nasschemie | Beizlösungen, Galvanikbäder, Reinigungschemikalien, Entfetter | Hoch Flüssige Partikel mit chemisch aggressivem Inhalt | Tropfenabscheider + Aktivkohle + H14, materialbeständige Ausführung |
| Gemischbelastungen Staub + Dampf kombiniert | Lacke/Farben, Klebstoffe, Harze im Verarbeitungsprozess | Komplex Partikel und VOCs gleichzeitig, synergistische Wirkung | Kombinationssystem: Partikelfilter H13/H14 + Aktivkohle in einem Gerät |
* MAK-Werte und Grenzwerte aus TRGS 900 (Stand 2024). Gefährdungsbeurteilung obliegt dem Betreiber gemäß GefStoffV.
ANWENDUNGEN
Für jeden chemischen Prozess ausgelegt
Von der Laborabzugsabsaugung bis zur Großanlage in der Prozesschemie – unsere Systeme werden auf Ihren spezifischen Schadstoff und Prozess ausgelegt.
Lösemittelverarbeitung & -abfüllung
Befüllen, Umfüllen, Mischen und Verarbeiten organischer Lösemittel erzeugt explosionsfähige Dampf-Luft-Gemische. ATEX bis Zone 1 zwingend, Aktivkohle auf den Lösemittel-Mix ausgelegt, Ex-Ventilatoren mit funkenfreien Schaufeln.
ATEX ZONE 1
AKTIVKOHLE
EX-VENTILATOREN
Lack- und Farbverarbeitung
Lackieren, Sprühen, Trocknen – VOCs aus Lösemitteln und Bindemitteln, Farbpartikel als Aerosol. Kombinationssystem: Vorabscheider für Lacknebel, H13/H14 für Feinstpartikel, Aktivkohle für Lösemitteldämpfe.
LACKNEBEL
VOC
KOMBISYSTEM
Klebstoff- und Harzverarbeitung
Epoxidharze, Polyurethan-Kleber, Acrylate – bei Verarbeitung entstehen Monomerdämpfe, reizende und sensibilisierende Aerosole. Aktivkohle für Monomere, PTFE-Membranfilter für Aerosole, materialbeständige Ausführung.
MONOMERDÄMPFE
AEROSOLE
PTFE-MEMBRAN
Galvanik & Nasschemie
Galvanisieren, Beizen, Entfetten – Säuredämpfe, Cyanid-Aerosole, Chromsäureaerosole. Extrem toxisch, teils schon in ppm-Konzentrationen gefährlich. Chemikalienbeständige Gehäuse (PP), imprägnierte Aktivkohle, H14 HEPA.
SÄUREDÄMPFE
CHROM(VI)
MATERIALBESTÄNDIG
Chemische Synthese & Reaktoren
Prozessdämpfe und Nebenprodukte aus Synthesereaktoren – variierende Zusammensetzung, oft Gemische aus mehreren Stoffen. Auslegung auf das Schadstoffprofil der Reaktion, ATEX wenn entzündliche Stoffe beteiligt.
PROZESSDÄMPFE
ATEX
SCHADSTOFFMIX
Pulverchemie & Feststoffhandling
Wiegen, Mischen, Abfüllen von Chemikalien, Pigmenten oder Additiven. Toxische Feinstpartikel erfordern H14-Filtration und sichere Filterwechselkonzepte. Bei reaktiven Stäuben ATEX-Zonenpflicht prüfen.
H14
CONTAINMENT
SICHERER WECHSEL
Schadstoffspezifische Lösungen
Jede Anlage wird auf Ihr konkretes Schadstoffprofil ausgelegt. Vor jeder Empfehlung steht die Analyse Ihrer Prozesse und Stoffe.
Schadstoffanalyse vor Auslegung
Wir analysieren Ihre Schadstoffe, Konzentrationen und Prozessbedingungen – bevor wir ein System empfehlen. Sicherheitsdatenblätter, MAK-Werte und Explosionsgrenzwerte fließen in die Auslegung ein.
Stoffspezifische Aktivkohle
Granulat, Pellets oder Formkörper – imprägniert oder unimprägniert – ausgewählt auf Basis Ihrer Schadstoffe. Standzeit wird berechnet, nicht geschätzt. Durchbruchsensoren auf Anfrage.
ATEX bis Ex Zone 1
Für entzündliche Lösemitteldämpfe und explosive Stäube: ATEX-Zertifizierung bis Zone 1. Ex-Ventilatoren mit funkenfreien Laufrädern, elektrisch leitfähige Komponenten, Potenzialausgleich.
Chemikalienbeständige Materialien
Gehäuse, Dichtungen und Filter in Ausführungen für Säuren, Laugen und organische Lösemittel: PP, PE, PVDF, Edelstahl 316L, PTFE-Dichtungen. Materialwahl nach Ihrem Schadstoffprofil.
H14 HEPA für toxische Partikel
Für toxische Feinstpartikel und krebserzeugende Stäube: H14 nach EN 1822, mindestens 99,995% Abscheidegrad am MPPS. PTFE-Membran verhindert Staubdurchbruch. Sicherer Bag-in/out-Wechsel für hochgiftige Stäube.
GefStoffV-konforme Dokumentation
Konformitätserklärung, Betriebsanleitung, ATEX-Zertifikat, Explosionsschutzdokument-Grundlagen, Wartungsplan – vollständig und direkt verwendbar für BG-Prüfungen und Behördenanforderungen.
NORMEN & VORSCHRIFTEN CHEMIE
GefStoffV (Gefahrstoffverordnung)
Verpflichtet Betreiber zur Gefährdungsbeurteilung, Grenzwerteinhaltung und technischen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Absaugung ist technische Schutzmaßnahme Rang 2 nach Substitution.
TRGS 900
Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) – enthält MAK-Werte für über 700 Stoffe. Grundlage für die Bewertung ob und welche Absaugmaßnahmen erforderlich sind. Wird jährlich aktualisiert.
TRGS 720–727
Regelwerk für explosionsfähige Atmosphären – Bewertung, Vermeidung, Zündquellen, Schutzmaßnahmen, elektrostatische Aufladung. Grundlage für ATEX-Auslegung bei Lösemitteln und reaktiven Stäuben.
ATEX 2014/34/EU
Geräte in explosionsgefährdeten Bereichen – gilt für Absaugsysteme in Ex-Zonen mit entzündlichen Lösemitteln, Gasen oder Stäuben.
DGUV Regel 109-001
Vermeidung von Staubbränden und Staubexplosionen – definiert Schutzmaßnahmen und Anforderungen an Absauganlagen bei explosionsfähigen Stäuben.
Was Kunden wissen wollen
Wie lange hält eine Aktivkohlefüllung bei Lösemitteldämpfen?
Das lässt sich nur schadstoffspezifisch berechnen – nicht pauschal. Die Standzeit hängt von Schadstoffart, Konzentration, Volumenstrom, Aktivkohlemenge und Adsorptionsisotherme ab. Schwerflüchtige Stoffe wie Toluol werden besser adsorbiert als leichtflüchtige wie Aceton – bei gleichem Volumenstrom und gleicher Konzentration ist die Standzeit bei Toluol deutlich länger. Wir berechnen die Standzeit für Ihr Schadstoffprofil vor der Auslegung.
Können Partikelfilter und Aktivkohle in einem System kombiniert werden?
Welche ATEX-Zone gilt bei der Verarbeitung von Lösemitteln?
Die Zoneneinteilung obliegt dem Betreiber auf Basis der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 720 und ATEX-Betriebsrichtlinie. Bei offener Verarbeitung entzündlicher Lösemittel wie Toluol (Flammpunkt 4°C) oder Ethanol ist Zone 1 in der unmittelbaren Umgebung der Entstehungsquelle typisch. Absaugsysteme in Zone 1 müssen ATEX-Kategorie 2G entsprechen.
Was ist bei Säuredämpfen besonders zu beachten?
Drei Punkte sind kritisch: Erstens die Materialbeständigkeit – Gehäuse, Ventilatoren und Dichtungen müssen für die spezifische Säure geeignet sein (PP für HCl, PVDF für konzentriertere Säuren). Zweitens die Filterauswahl – unimprägnierte Aktivkohle ist für anorganische Säuredämpfe kaum wirksam, KOH-imprägnierte Kohle ist deutlich besser. Drittens Kondensation vermeiden – bei hohen Säurekonzentrationen kann Kondensation im Gehäuse zu Korrosion führen.
Wie erkenne ich einen Aktivkohledurchbruch?
Ohne Messtechnik zuverlässig nur durch regelmäßige Messung der Reinluftkonzentration. Beim Durchbruch tritt der Schadstoff am Auslass auf – oft merkbar durch Geruch, aber bei geruchlosen Stoffen unsichtbar. Wir empfehlen für wichtige Anwendungen den Einbau von elektrochemischen Durchbruchsensoren, die bei Überschreitung eines Schwellwerts Alarm geben. Alternativ: konservative Standzeit mit Sicherheitspuffer und fest geplantem Intervallwechsel.
Nennen Sie uns Ihre Schadstoffe
Schadstoff, Konzentration, Volumenstrom – wir legen die Lösung aus und melden uns.